Edelmetalle vs. Kryptowährung - wem gehört die Zukunft ✰ Goldmarkt.de

Edelmetalle vs. Kryptowährung - wem gehört die Zukunft

Goldgräberstimmung hat nicht immer etwas mit Gold zutun. Das beweist nicht zuletzt der Hype am Kryptowährungsmarkt, der die Welt insbesondere im vergangenen Jahr erfasst hat. Viele Anleger stellen sich im Angesicht der Anonymität von Kryptowährungen und der immensen Kursperformance zu Recht die Frage danach, ob Kryptowährungen wie Bitcoin, Litecoin und Ethereum nicht die besseren Edelmetalle sind. Wem also gehört die Zukunft - Kryptowährungen oder Edelmetallen?

Was spricht für den Klassiker Gold?

Gold ist unvergänglich, das wussten schon die alten Ägypter. Und das gilt nicht nur in physikalischer Hinsicht, sondern auch hinsichtlich des Wertes von Gold. Beweis für die Werthaltigkeit von Gold ist die Tatsache, dass eine Unze Gold schon um das Jahr 1900 den Wert eines Maßanzugs hatte und diesen auch bis heute über alle Krisen des 20. Jahrhunderts hinweg bewahren konnte. Darüber hinaus verfügen Edelmetalle im Allgemeinen über einen intrinsischen Wert, der niemals auf null fallen kann.

Jedenfalls so lange nicht, wie Gold, Silber, Platin, Palladium und Co als Schmuck und Rohstoff für die Wirtschaft benötigt werden. Andere Anlagegüter, deren Wert ausschließlich auf Vertrauen beruht, können bei einem entsprechenden Vertrauensverlust von heute auf morgen wertlos werden. Auch die Begrenztheit, der anonyme Besitz und die Erprobtheit als Krisenwährung sprechen für physische Edelmetalle.

Der Haken beim Goldinvestment

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Edelmetalle haben gegenüber Kryptowährungen allerdings auch einige Nachteile. Das betrifft vor allem die Lagerung, denn während sich Bitcoin und Co immateriell sind, müssen physisches Gold und Silber sicher gelagert werden. Und das kostet ebenfalls Geld. Im Fall von Silber kommt natürlich noch hinzu, dass bereits einige Tausend Euro in Silberbarren oder Silbermünzen einen enormen Raum einnehmen und nur schwer zu transportieren sind. Auch kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Goldverboten. Alleine in Deutschland geschah dies in den vergangenen 100 Jahren gleich dreimal. An dieser Stelle können hingegen Silber, Platin und Palladium punkten, denn es ist unwahrscheinlich, dass der Privatbesitz dieser im Vergleich zu Gold wenig finanzialisierten Werte verboten wird.

Was machen Kryptowährungen besser?

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Kryptowährungen haben ähnlich wie Edelmetalle den Vorteil, dass sie (meistens) ebenfalls nur in beschränkter Menge geschürft werden können. Diese mathematische Grenze schafft also ähnliche Vorteile, da sich diese Währungen nicht beliebig vermehren lassen. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die enorm hohe Wertdichte, da es sich um ein immaterielles Anlagegut handelt. Theoretisch können mit Hilfe von Kryptowährungen so Millionen von Euro auf einem USB-Stick (Hardware-Wallet) oder einem Paper-Wallet in der Hosentasche transportiert werden.

Punkten können Kryptowährungen auch dort, wo zumindest Gold versagt. Nämlich im Bereich der staatlichen Verbote. Während es vergleichsweise einfach ist, ein physisches Gut wie Gold bei Androhung von Strafe zu verbieten, ist dies bei einem dezentralen Konstrukt wie einer nur im virtuellen Raum existierenden Kryptowährung kaum möglich. Das globale Internet macht es möglich.

Nachteile von Kryptowährungen

Kryptowährungen sind aber auch bei weitem nicht frei von Nachteilen. Im Gegensatz zu Gold und Silber sind die meisten "Kryptos" zwar auch nur beschränkt vorhanden, basieren hinsichtlich ihres Wertes aber ebenso wie Fiat-Geld lediglich auf dem Vertrauen der Menschen. Ist dieses Vertrauen auf einmal durch einen Datenskandal oder das Bekanntwerden von Hackerangriffen weg, kann der Wert leicht auf null fallen.

Apropos Hackerangriffe: Was der Einbrecher für Besitzer von physischem Edelmetall ist, ist der Hacker für "Krypto-Besitzer". Ohne entsprechende Sicherheitsmaßnahmen wie ein Hardware-Wallet können Bitcoin und Co leicht gestohlen werden. Und ob eine Versicherung im Fall des Verlusts auch nur theoretisch einen Cent Schadenersatz zahlen würde, wie es bei versichertem Edelmetall der Fall ist, ist höchst fragwürdig.

Ein zusätzlicher Nachteil ist die bis dato geringe Akzeptanz. Während ein Krügerrand in beinahe jeder Bank der Welt in die jeweilige Währung getauscht werden kann, beschränken sich die Akzeptanzstellen für Kryptowährungen meist auf kleinere Online-Shops und den einen oder anderen Dienstleister. Ebenso sieht es mit der Akzeptanz von Kryptowährungen in der Bevölkerung aus. Verantwortlich dafür ist sicherlich auch der Wildwuchs an Kryptowährungen. Mittlerweile streiten neben den Platzhirschen Bitcoin, Ethereum, Ripple und Litecoin weit mehr als 1.000 Währungen um die Gunst der Anleger.

Nicht minder problematisch ist auch die Tatsache, dass sich ein großer Teil vieler Kryptowährungen in den Händen sehr weniger Player befindet, die den Markt damit sehr massiv beeinflussen können. Das ist weder bei Aktien und in diesem Ausmaß noch nicht einmal beim von Notenbanken bestimmten Goldmarkt der Fall. Besserung ist nur dann in Sicht, wenn sich dieses Wild-West-Szenario auflöst und sich ein Großteil der Konkurrenz vom Markt verabschiedet und die Coins mehr und mehr in den Streubesitz übergehen.

Wer ist der Performancesieger?

Dieser Punkt geht ganz klar an die Kryptowährungen. Ein Kurssteigerungspotential von über 1.000 Prozent binnen eines Jahres, wie es beispielsweise der Bitcoin hingelegt hat, spricht hier eine sehr eindeutige Sprache. Edelmetalle können in diesem Duell zumindest kurzfristig nicht mithalten. Allerdings müssen sich Kryptowährungen erst noch auf der langfristigen Ebene beweisen. Realistischerweise ist daher kaum damit zu rechnen, dass diese Traumrenditen nach der Sturm-und-Drang-Phase anhalten werden. Hinzu kommt auch die deutlich höhere Volatilität der Kryptomärkte, mit denen die hohen Renditen erkauft werden. Edelmetalle hingegen schwanken auf Tagesbasis unter normalen Umständen nicht im zweistelligen Prozentbereich oder stürzen binnen Tagen gar um 30, 40 oder gar 50 Prozent ab.

Edelmetalle oder Kryptowährungen - Eine Frage des Anlegertyps

Unter dem Strich müssen wir eines erkennen: Edelmetalle und Kryptowährungen sind derzeit zwei völlig unterschiedliche Anlageklassen. Dementsprechend ist Gold weder besser als der Bitcoin, noch sind Kryptowährungen der Sargnagel der Edelmetalle. Zukunftsträchtig sind indes beide Anlageklassen. Gold aufgrund seiner bereits seit Jahrtausenden bekannten Vorteile und Kryptowährungen aufgrund des dezentralen und anonymen Konzepts, das den einzelnen Menschen unabhängiger von der Politik und dem Handeln von Notenbanken machen könnte.

Wie hoch beide Asset-Klassen im Portfolio gewichtet sind, hängt entscheidend vom Anlegertyp ab. Wer mehr Wert auf Stabilität und einen "sicheren Hafen" legt, der tendiert zu einem größeren Edelmetallanteil. Wer hingegen spekulativer unterwegs ist und schnell hohe Renditen erzielen möchte, kann einen größeren Teil seines Portfolios in Kryptowährungen stecken. Wichtig sind aber in jedem Fall die Grundgesetze des Investierens: erstens eine vernünftige Diversifikation z.B. über mehrere Edelmetalle bzw. Kryptowährungen. Und zweitens, nur das Kapital zu investieren, das längerfristig nicht benötigt wird und notfalls abgeschrieben werden kann.

Fazit

Langfristig werden sich Kryptowährungen in unserer digitalisierten Welt also genauso als ernstzunehmende Asset-Klasse etablieren wie Edelmetalle, Aktien, Anleihen, Immobilien, Kunst und Geldwerte. Die individuelle Gewichtung hängt, wie bei allen anderen Asset-Klassen aber einzig von der Risikoneigung des einzelnen Anlegers ab. Eine pauschale Empfehlung pro oder contra lässt sich also nicht geben.

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